Magdalena Fasching

In Between - Irgendwo im Nirgendwo

Schreiben, um Platz für Neues im Kopf zu schaffen...

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2016-07-24

Zwischen Überholspur und Pannenstreifen


(Anm.: Zur leichteren Lesbarkeit (und nur aus diesem Grund!) verwende ich in meinen Texten die männliche Form. Gemeint sind natürlich immer Beide.)

Ich habe lange überlegt, ob mein Blog mehr von meiner Kunst oder mehr von meiner Krankheit handeln soll.
Allem voran frage ich mich was ein Blog überhaupt ist beziehungsweise wozu er dienen soll.

Laut Wikipedia ist ein Blog

„ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagesbuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger […] Aufzeichnungen führt, Sachverhalten protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt.“

Soso, eine Art digitales Tagebuch wenn man so will. Möchte ich das? Möchte ich, dass jeder meine Gedanken ohne größerer Hürden und Schwierigkeiten lesen kann? Dass man, wenn man möchte, meinen intimsten Aufzeichnungen und Überlegungen einfach so und ohne weiteres folgen kann?

Und wenn ja, wieso? Fordern wir nicht tagtäglich mehr Datenschutz? Demonstrieren wir nicht regelmäßig gegen den digitalen Fingerabdruck? Fürchten wir nicht alle den gläsernen Menschen?
Unsere größte Angst ist die totale Überwachung und dennoch entscheiden wir selbst genau diese Daten von uns preiszugeben. Ich habe Angst, die Menschen könnten zu viel über mich wissen und trotzdem stelle ich genau dieses Wissen der wohl breitesten und frei zugänglichsten Masse zur Verfügung. Dem Internet.

Nun, ich kann hier nur von meiner Motivation sprechen. Ich weiß leider nicht was die zigtausend anderen Menschen bewegt selbiges zu tun. Aber ich kann euch erzählen, warum ich es tue.
Ich möchte meine Gedanken zu einem Thema, das mich nicht nur beschäftigt, sondern das auch einen großen Teil meines Lebens und meines Alltags einnimmt niederschreiben um diese (nicht nur) mit euch zu teilen, sondern vielleicht dem einen oder anderen damit zu helfen.

In der Tat sind es zwei Themen, die mich gleichermaßen fordern und beschäftigen, aber inzwischen ist mir bewusst geworden, dass ich mich nicht zwischen den Themen entscheiden muss. Es ist nicht das eine wichtiger oder das andere wertvoller. Vielmehr fließen beide Themen unmerklich ineinander.

Hermann Hesse sagte einst:

„So wie die Verrücktheit, in einem höheren Sinn, der Anfang aller Weisheit ist, so ist Schizophrenie der Anfang aller Kunst.“

Hermann Hesse setzte somit einen gewissen Geisteszustand voraus, was für mich wiederum bedeutet, dass die beiden Themen gar nicht zu trennen sind.

Ich habe in der Interdisziplinären Kunst meinen perfekten Gegenspieler gefunden. Interdisziplinäres Arbeiten ist genauso vielschichtig, so fassettenreich und so schwer zu beschreiben wie eine Borderline Persönlichkeitsstörung.
Und manchmal -  manchmal ist da einfach nichts. Gar nichts. Sowohl in der Kunst, als auch im Kopf. Du suchst nach Worten und du findest keine. Du suchst nach Gefühlen, doch sie sind weg. Gerade noch sind sie ungebremst auf dich eingebrasselt und jetzt- weg. Du versuchst dich an einer Erinnerung festzuhalten- es ist keine da. Du möchtest etwas in Angriff nehmen, eine Handlung setzen- dir fällt keine ein. Einfach nichts. So als hätte man in deinem Kopf mit einem riesen Radiergummi Ordnung gemacht.

„Was denkst du?“, werde ich gefragt.
„Nichts“, sage ich.

Doch das stimmt nicht. Ich glaube nur nichts zu denken. Glaube dass das der Grund für meine Leere ist. Dabei ist es keine Leere. In Wirklichkeit überschlagen sich die Gedanken in meinem Kopf. Sie schwimmen im Kreis, vermischen sich zu einem großen Grau, das allmählich zu einem einheitlichen Gedankennebel wird. Ich bin nicht mehr im Stande einzelne Gedankenstränge daraus zu erkennen oder herauszufiltern. Also glaube ich nichts zu denken.
Woran ich merke, dass ich doch denke? Weil ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann.

Diese Art von Denken nennt man Grübeln oder Gedankenkreisen. Bei dieser Art des Denkens fühlt man sich oft hilflos ausgeliefert. So als verliere man die Kontrolle weil man das Gefühl hat, die Gedanken nicht kontrollieren zu können. Und wenn es euch so geht wie mir, dann stimmt das auch. Dann könnt ihr eure Gedanken auch nicht kontrollieren. Aber ihr könnt euch ablenken! Hierfür gibt es ein paar hilfreiche Fertigkeiten, auch Skills genannt.

Ich persönlich lenke mich am liebsten mit zeichnen ab. Aber keine Sorge, ich schaffe es natürlich in solchen Situationen nicht, tolle Skizzen von surrealen Fantasiegestalten anzufertigen. Meisten kritzle ich einfach vor mich dahin.
Seit ein paar Monaten gibt es einige, coole Materialien: Ausmalbücher für Erwachsene. Ich selbst habe auch so eines.

Ich stell hier mal einen Link von Google rein:
https://www.google.at/search?q=ausmalbuch+erwachsene&biw=1366&bih=634&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiJgMSg04zOAhUDXhoKHeyUCysQ_AUIBigB#tbm=isch&q=ausmalb%C3%BCcher+erwachsene

Auf Pinterest gibt’s auch einige coole Tipps.
https://de.pinterest.com/search/pins/?q=ausmalb%C3%BCcher%20erwachsene&rs=typed&0=ausmalb%C3%BCcher%7Ctyped&1=erwachsene%7Ctyped

Auf Pinterest ein bisschen durchzublättern und durchzusuchen empfehle ich auch- es lenkt irrsinnig schnell ab, lässt einen dumme Gedanken vergessen und bringt einen auf neue Ideen.

Kleine, anspruchslose Spielchen auf dem Smartphone wirken auch echt Wunder! Man glaubt es kaum und man einer wird sich vielleicht, so wie ich einst, dagegen wehren, aber in der Not hat mir das schon oft geholfen.

Apropos Not; die Not erkennt nur ihr. Das Ausmaß, den Schweregrad, den Akutfall. Das schwierigste in der Not ist es zu reden. Natürlich gibt es Menschen, die gerade im Notfall reden möchten und auch reden müssen. Reden erleichtert und Reden kann einen großen Teil der Anspannung nehmen, aber für viele da draußen stellt das Reden noch immer die größte Hürde da.
Verschließt euch nicht. Euch kann nicht geholfen werden, wenn ihr euren Kummer in euch hineinschweigt. Redet! Auch wenn es schwer ist. Auch wenn ihr Angst habt nicht ernst genommen zu werden. Auch wenn ihr glaubt euch zu blamieren, euch zu entblößen. In solch einem Moment seid ihr ohnedies in einem Ausnahmezustand.
Und gebt dem Gegenüber die Möglichkeit euch ernst zu nehmen. Euch anzuhören. Euch zu helfen.

Seid verrückt! Aber lasst euch helfen!

Ich bin verrückt! Aber ich lasse mir helfen.

Denn das ist mein Leben. Mein Leben zwischen Überholspur und Pannenstreifen.

Admin - 20:20:43 | Kommentar hinzufügen